Samstag, 21. Oktober 2017

Oktobergarten

Nun kommt draußen bald der Abschied vom Bunt. Im Gegensatz zu vielen "normalen" Gärten, die mit ihren Thuja und Rasenflächen schon jetzt recht trist daher kommen, blüht es bei uns noch wie wild. Sobald es trocken ist, wimmelt es nur so von Insekten. So soll es sein. Denn jede:r kann etwas gegen das Insektensterben tun: Biogemüse kaufen und den eigenen Garten mit vielen Blumen bepflanzen. Nicht Teil des Problems sein sondern der Lösung.

Achtung, Bilderflut :-)


Spinnenkunst im Vorgarten

Zaubernuss

Der Weidendom über den Tonnen ist jetzt schön dicht geworden. Ab sofort nachts mit Solar-Beleuchtung! Und links die schöne Zaubernuss

Die Dahlie aus dem Elterngarten. Es ist tatsächlich nur EINE...

... mit wunderschönen Blüten
Nematoden-Prophylaxe. Dank der Hühner ohne Schneckenfraß

Wintersalat, Rote Beete und Hirschhornwegerich

Die "Buntdüngung" auf den Kartoffelbeeten...

... hält genau bis zur ersten Frostnacht

Meine Lieblingsdahlie mit Fernwirkung und Biene

Simons gelungenes Beet. Und ich Schaf weiß nicht mehr, was das für eine Pflanze ist

Herbsthimbeeren. Große Liebe!

Die unermüdliche und robuste "Aprikola"

"Roter Korsar"

Kokardenblumen. Ob ich sie diesmal durch den Winter bringe?

Schneckeneier -  Kaviar für Hühner

Die blaue Wolke der Herbstastern

Das letzte Blatt am Pfaffenhütchen...

... das nun auf diesen leuchtenden Schmuck umstellt.
Habt eine gute Zeit und genießt das letzte Bunt!

Sonntag, 8. Oktober 2017

Ein Garn entwickeln: "Susannes Sommer"

Die Ausgangslage: Susanne mag die kühlen Farben und trägt viel Dunkelblau, was ganz fantastisch zu ihrem dicken dunkelbraunen Haar passt. Zum Blau als Grundfarbe gesellt sich in den letzten Jahren Rubinrot, Lila und neuerdings sogar Grün. Susannes Garn sollte für ein Tuch reichen und möglichst zu allen ihren Farbkombis passen.

Pflanzengefärbtes BFL und BFL/Seide. Susannes Farben mit einer Prise Gelb zum Aufhellen.

  
Kardiert und fertig ausgezogen
250 Gramm mit etwa 300 Meter/100 Gramm
BFL mit Seide ist sooo flauschig, da kratzt nix!


Mittwoch, 27. September 2017

Zwölf Jahre lang…




… war ich nebenberuflich als Filzerin selbstständig. Und das war schön.

Über Dawanda habe ich eigene Entwürfe und ein paar Brotartikel verkauft (zum Beispiel Erdbeertaschen, von denen ich so viele gefilzt habe, dass ich sie jetzt nicht mehr ertragen kann). Vor allem die Kommunikation mit den Käuferinnen der pflanzengefärbten Garne habe ich dabei sehr gemocht – das sind kreative Menschen, die besondere Qualität und schöne Farbkombinationen wirklich genießen können.
Mit Ausstellungen und Kunsthandwerkermärkten dagegen habe ich schon nach ein paar Jahren aufgehört. Zu ernüchternd waren die fruchtlosen Diskussionen mit Leuten, deren Preisvorstellungen anscheinend durch billigen Dekokram aus Industriefilz geprägt wurden.

Hachz - die Auftragsarbeiten! Herausfordernd und immer wieder extrem spannend. Taschen mit diversen Gimmicks, Kinder mit ausgefallenen und sehr detaillierten Wünschen für ihre Hausschuhe, ein Großauftrag für Filzpilze, mit denen ich einen ganzen Wald hätte ausstatten können. Manche Bestellungen waren echt anspruchsvoll umzusetzen und haben mich aus meiner Komfortzone gekegelt.

Und dann war da natürlich die große Liebe: das Kurseleiten. Viele Kurse. Mindestens zweihundert verschiedene Menschen haben bei mir das Filzen gelernt. Kinder auf Geburtstagen, in Kindergärten, Grundschulen und OGS. Erzieher:innen und Lehrer:innen. Menschen in der Psychiatrie, im Altenheim und in Kursräumen. Viele sind immer wieder gekommen und ein bisschen zu Freundinnen geworden. Zusammen haben wir auch ausgefallene Ideen umgesetzt und dabei viel geredet und gelacht. Manchmal sind wir regelrecht in Seifenwasser gewatet. Und in den letzten Wintern bin ich oft mit einem Eimer voll Nunofilz zwischen dem Kursraum und dem Wäschetrockner in meinem Haus hin- und hergeradelt.

Ein ganz besonderes Erlebnis waren natürlich die bunten Wollschlachten bei den jährlichen Färbekursen im Umweltzentrum an der Heerser Mühle. Richtige Farbräusche waren das, mit vielen tollen Frauen, diesen ganz besonderen Düften von Indigo und Krapp und einem sehr nachhaltigen Glücksgefühl. Das wird mir definitiv fehlen, auch wenn ich natürlich weiter mit Pflanzen färben werde.

Nun ist diese Zeit vorbei. Es fühlt sich richtig an.
Im April dieses Jahres habe ich in meinem Brotberuf wieder eine Leitungsfunktion mit viel Personalverantwortung übernommen. Obwohl ich jahrelang beteuert habe, dass diese Lebensphase vorbei sei und ich nie wieder Chef von was auch immer sein wollte. Nach fast einem halben Jahr kann ich nun sagen: Es war die richtige Entscheidung, über den eigenen Schatten zu springen. Der Brotberuf ist auch ein Herzensjob.

Ich mache aber ungern halbe Sachen. Und so bin ich im Juni eines Morgens mit dem klaren Entschluss aufgewacht, mein Gewerbe abzumelden. Keine Kurse mehr, keine Färbeorgien, kein Dawandashop.

Was das langfristig mit mir macht, weiß ich natürlich nicht. Noch fühlt es sich ungewohnt an. Denn Wolle kommt nun nicht mehr in kühlschrankgroßen Kartons bei mir an. Und die Wochenenden im Herbst sind diesmal alle frei.

Aber auch die Schere im Kopf ist weg. Mir war gar nicht klar, dass die überhaupt da war. Doch ich habe wohl auch ganz private Projekte häufig mit dem Hintergedanken umgesetzt, eine neue Technik zu lernen, die ich dann in den Kursen vorstellen konnte. Ich arbeite nun ein wenig experimenteller und mutiger. Da ist Zeit für neue Projekte im Garten, die nichts mit Filz zu tun haben. Und ich nähe wieder.

Bei all den Überlegungen, was bleiben soll und was ich loslassen will, habe ich natürlich auch das Blog wieder in Frage gestellt. Die Entscheidung: Es wird weitergehen. Ganz unregelmäßig und ohne Redaktionsplan. Immer dann, wenn ich etwas Kreatives zu erzählen habe (oder vor lauter Gartenglück platze und mal wieder ein Rudel Fotos hochladen muss). Dann könnt ihr hier etwas lesen. Von euch bekomme ich so viele Inspirationen, freue mich mit euch über eure guten Einfälle und genieße eure schöne Fotos. Dafür bin ich dankbar und möchte auch etwas zurückgeben, manchmal für einen kleinen Anstoß sorgen oder zeigen, was mir geholfen hat.

So ist das. Und es ist gut. 


Danke an Heidi für die besorgten Nachfragen und damit für den Anstoß, diesen Post zu schreiben.




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